Mit der Ausstellung wird nicht nur einer der bedeutendsten Philosophen der deutschen Spätaufklärung und der prominenteste Vertreter der Haskala (jüdischen Aufklärung) gewürdigt. Es sollen auch Mendelssohns vielfältige freundschaftliche und familiäre Beziehungen zu Hamburg untersucht und der Öffentlichkeit aufgezeigt werden. Die in der Ausstellung zusammengetragenen Objekte werden diesen spezifischen Teil der Hamburger Geschichte erzählen, illustrieren und in den Kontext der jüdischen Aufklärungsbewegung und des frühen Reformjudentums stellen.
Die Erinnerung an Moses Mendelssohn als Vertreter einer rechtlich und sozial diskriminierten religiös-kulturellen Minderheit, der seinen Gegnern und Kritikern nicht als Opfer seiner Umstände, sondern als aktiv handelnde Person begegnete, wird in der Ausstellung mit Leben gefüllt. Gezeigt werden soll die individuelle Geschichte eines jüdischen Gelehrten, die geprägt ist von der konstruktiven Auseinandersetzung mit Andersgläubigen und Andersdenkenden auf Augenhöhe. Für seine konsequente Verteidigung des Judentums gegen die an ihn gerichteten Aufforderungen zur Konversion zum Christentum erlangte Mendelssohn großen Respekt unter den Intellektuellen der Aufklärung. Anders als in den Biografien jüdischer Männer zumeist hervorgehoben, war Mendelssohns Lebensweg eine jüdische Erfolgsgeschichte, die nicht durch erfolgreiche Wirtschaftstätigkeit gekennzeichnet war.
Zentrales Anliegen der Ausstellung ist zudem die Vermittlung der Bedeutung der Haskala als jüdische Modernisierungs- und Bildungsbewegung mit überregionalen Netzwerken, die von Berlin ausgehend Einflüsse auch auf das jüdische Geistesleben im Hamburger Raum hatte. Im Rahmen der Ausstellungserarbeitung werden diese Einflüsse und Nachwirkungen detailliert erforscht. Dabei soll auch deutlich gemacht werden, dass das in Hamburg entstandene Reformjudentum seine Wurzeln in der Haskala hatte – Aspekte, die in der Forschung bisher kaum berücksichtigt wurden.
Das Thema der Ausstellung ist insgesamt reichhaltig und vielschichtig. Und so werden schwerpunktmäßig weitere wichtige Aspekte der hamburgischen Geschichte entfaltet werden, wie das Armenwesen und jüdische Wohltätigkeit sowie Bildung, mit einem Fokus auf der jüdischen Mädchenerziehung. Schließlich sollen auch die Werte vermittelt werden, die mit der (jüdischen) Aufklärung verbunden sind und für die insbesondere Moses Mendelssohns Persönlichkeit steht. Es geht dabei um universale Werte, die bis heute relevant sind und zunehmend wieder an gesellschaftlicher Bedeutung gewinnen. Dazu zählen die Toleranz gegenüber anderen Religionen und Minderheiten, Humanität, die Bereitschaft zum Gespräch mit Andersdenkenden, Vorurteilsbekämpfung, die Suche nach Wahrheit (in einer Welt irreführender Falschmeldungen), die Offenheit gegenüber Modernisierungen und wissenschaftlichem Fortschritt, die Relevanz der Künste u.a.m.
Das Projekt wird u.a. mit Mitteln aus dem Monika Richarz-Fonds des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden und der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS sowie der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung gefördert.
Projektleitung:
Dr. Uta Lohmann
040 42838-2307
uta.lohmann[at]igdj-hh.de