05.02.2026

IGdJ wirkt mit an Erarbeitung von Ausstellung und Projektraum

Mit „Wegmarken Jüdischer Geschichte. Ein Projektraum für Hamburg“ zeigt das Altonaer Museum ab sofort eine neue, dauerhafte Ausstellung, in der die über 400-jährige jüdische Geschichte der Stadt anhand von 14 Wegmarken in komprimierter Form präsentiert wird. Diese Geschichte ist seit Beginn durch kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt geprägt und zahlreiche Orte zeugen bis heute von dieser Pluralität im Hamburger Stadtbild. Jüdische Lebenswelten wurden in den einst selbstständigen Städten Altona und Hamburg wie auch Wandsbek und Harburg durch unterschiedliche Gesetzgebungen bestimmt, wobei das Altonaer Generalprivileg Jüdinnen und Juden bereits 1641 weitreichende Rechte wie Religionsausübung, Handelsfreiheit und Selbstverwaltung zusicherte. Auch in Hamburg war die jüdische Geschichte vom Ringen um Selbstbehauptung und Kampf um Bürgerrechte geprägt sowie von der Bedeutung des Hafens und den damit verbundenen Themen des Handels und der Migration.

Kuratiert wurde die Ausstellung federführend von Anne Kunhardt M.A. und Jonas Stier M.A., die auch am IGdJ gearbeitet haben bzw. arbeiten. Im Zentrum ihres Ausstellungskonzepts stehen 14 ausgewählte Daten aus der Zeit zwischen 1611 und 2020, die sich u.a. in einem intensiven Austausch- und Diskussionsprozess mit dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ), der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte sowie der Israelitischen Töchterschule als Wegmarken herauskristallisiert haben. Sie stehen für prägende Momente in der jüdischen Geschichte des heutigen Hamburgs: von der Gründung des sephardisch-aschkenasischen Friedhofs in Altona über die Entstehung des Reformjudentums zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis hin zur Auszeichnung Hannah Arendts mit dem Lessing-Preis und den Diskussionen über den Wiederaufbau der während der Novemberpogrome 1938 verwüsteten und später zwangsweise und auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgerissenen Bornplatzsynagoge.

Die 14 Wegmarken jüdischer Geschichte wollen die Vielfalt der jüdischen Gemeinschaften in Hamburg und die jahrhundertealte Pluralität jüdischen Lebens zeigen und zugleich aktuelle Perspektiven wie Migration, Inklusion und Diversität aufgreifen. Ausgestellte Objekte sind etwa das Modell der 1788 erbauten Synagoge in der Elbstraße, eine Löwenskulptur vom Brunnen des jüdischen Friedhofs in Altona, Erinnerungsmedaillen an das Israelitische Krankenhaus sowie vom NS-Regime geraubte Silberobjekte. Hörstationen erzählen exemplarische Objektbiografien und thematisieren die komplexen Wege, auf denen diese Gegenstände in die Museumsbestände gelangten und welche Fragen nach Eigentum, Verantwortung und historischer Aufarbeitung an sie gestellt werden können und müssen. Ein digitaler Stadtplan des IGdJ, der als integraler Bestandteil der Ausstellung fungiert, öffnet abschließend die räumliche Perspektive auf jüdisches Leben in der Stadt und zeigt auf, welche Orte der jüdischen Geschichte und Gegenwart auch jenseits des Altonaer Museums entdeckt und erlebt werden können. 

 

Die Ausstellung gibt darüber hinaus nicht nur neue Perspektiven auf die jüdische Geschichte dieser Stadt frei, sondern greift die seit 2024 wieder aktuell gewordene Diskussion über die Entwicklung eines Jüdischen Museums für Hamburg auf und blickt auf die über einhundertjährige Auseinandersetzung mit dieser Frage zurück. Vor diesem Hintergrund versteht sich der Projektraum auch als Diskurs-, Informations- und Repräsentationsfläche, die die Hamburger Stadtgesellschaft dazu einlädt, über Inhalte, Perspektiven und Aufgaben eines zukünftigen Jüdischen Museums ins Gespräch zu kommen.

 

Fotos: SHMH; Jonas Stier