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Lehrveranstaltungen

Sommersemester

Übung: Über die Bedeutung der Kategorie „Diaspora“ für die moderne jüdische Geschichte

Prof. Dr. Miriam Rürup

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Der Begriff Diaspora stammt aus dem jüdisch-religiösen Kontext. Er steht heute aber für weit mehr: er hat bis heute in der jüdischen Geschichte eine religiöse Komponente und erinnert an die "Zerstreuung" der Jüdinnen und Juden aus "Israel". Zugleich wird er heute aber auch als wissenschaftliche Kategorie verwendet, um Migration und Minderheitensituationen auch jenseits des nationalgeschichtlichen Zugangs beschreiben / untersuchen zu könen. Dabei wird meist Bezug auf Gruppen genommen, die infolge unfreiwilliger Migraition an einem neuen Ort eine neue Identität aufbauen, dabei jedoch weiterhin an die Vergangenheit und ihre Herkunft anknüpfen. So lässt sich der Begriff Diaspora auch losgelöst von seiner Vertreibungkonnotation nutzbar machen, und kann als Differenzkategorie genutzt werden, besonders wenn der Blick auf Minderheiten gerichtet wird, die in der sie umgebenenden "Hegemonialgesellschaft" zunächst fremd erscheinen mögen - oder Residuen von Fremdheit selbst aufrechtzuerhalten bestrebt sind.

In der Übung soll sowohl der Begriff Diaspora und seine Anwendung und seine sich wandelnden Bedeutungsgehalte insbesondere im modernen jüdischen und zionistischen Diskurs im 20. Jahrhundert betrachtet werden. Es geht sowohl um die Entstehung einer deutsch-jüdischen Diaspora außerhalb Israels infolge der nationalsozialistischen Vertreibung als auch um die Frage, wie über "Diaspora" im Jahrzehnt der Staatsgründung Israels diskutiert wurde und wird.

Literatur:
Ruth Mayer, Diaspora: Eine kritische Begriffsbestimmung, Bielefeld 2005 und Kirsten Heinsohn/Susanne Lachenicht, Diaspora Identities. Exile, Nationalism and Cosmopolitanism in Past and Present, Frankfurt am Main 2009

 

 

Übung: Von der Wissenschaft des Judentums zur Judaistik. Juden, andere Deutsche und die Erforschung der jüdischen Geschichte, Religion und Kultur (19./20. Jh.)

PD Dr. Andreas Brämer

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Die Wissenschaft des Judentums brachte sich seit den 1820er Jahren in Stellung, indem sie mit autoritativem Anspruch als neues Deutungsmodell jüdischer Religion, Geschichte und Kultur auftrat, die sie mit dem methodischen Rüstzeug der Philologie, Historiographie und Philosophie zu erschließen suchte. Die neue Disziplin präsentierte sich als Gegenmodell zu den Auslegungstraditionen der Vormoderne, in denen sich das Judentum als sinnvermittelndes Handlungssystem präsentiert hatte, das zwar in Details situative Modifikationen zuließ, im Grunde aber Veränderungen vermied, weil es auf der Grundlage einer ewig gültigen göttlichen Selbstmitteilung fußte. Die Übung befasst sich mit der Genese und Entwicklung einer, an akademischen Standards ausgerichteten jüdischen Forschung im 19. und 20. Jahrhundert. Im Verlaufe des Semesters widmen sich die Sitzungen zentralen Ereignissen, Personen und Institutionen dieser deutsch-jüdischen Wissenschaftsgeschichte.

Literatur:
Thomas Meyer, Andreas Kilcher (Hrsg.), Die »Wissenschaft des Judentums«. Eine Bestandsaufnahme, Paderborn 2015; Michael Brenner, Propheten des Vergangenen. Jüdische Geschichtsschreibung im 19. und 20. Jahrhundert, München 2006

Zusätzliche Hinweise zu Prüfungen:
(Mit)Gestaltung einer Sitzung und Hausarbeit