Von der ‚Edzardischen Jüdischen Proselytenanstalt’ zur ‚Edzardi-Stiftung’. Jüdisch-christliche Beziehungen, Juden und Konvertiten aus dem Judentum im Spiegel einer Hamburger Stiftung für Judenmission vom 17. bis zum 20. Jh.

Dr. Jutta Braden

Im Mittelpunkt des Projektes stehen zwei Themenbereiche: Die Geschichte der 1667 in Hamburg von dem Orientalisten Esdras Edzard gegründeten, auf die Bekehrung von Juden zum lutherischen Glauben gerichteten Stiftung sowie die Geschichte der Glaubenswechsel von Juden zum Christentum in dieser Stadt. Mit den Schwerpunkten ‚Judenmission’ und ‚Konversion’ werden also Themen fokussiert, die nicht nur als Aspekte der christlich ‐ jüdischen Beziehungsgeschichte in Hamburg, sondern auch  ‐  in gewandelter Form  ‐  aktuell noch von Bedeutung sind. Das zeigen Debatten in den Medien z.B. über judenmissionarische Aktivitäten evangelikaler Kreise oder über potentiell von Konvertiten zum Islam ausgehende Terror ‐ Gefährdungen.

Edzards Stiftung, die noch heute unter dem Namen Edzardi ‐ Stiftung existiert, ist mit ihrer sich über vier Jahrhunderte erstreckenden Wirkungsdauer eine Ausnahmeerscheinung unter den frühneuzeitlichen judenmissionarischen Instituten, die in der Mehrzahl im Laufe des 18. Jahrhundert wieder geschlossen wurden. Trotz ihrer überregionalen Bedeutung ist die Geschichte dieser in der christlichen Judenmissionstheologie  ‐  und damit einer judenfeindlichen Ideologie  ‐   wurzelnden Institution in weiten Teilen noch unbekannt.

Anknüpfend an die Abkehr vom „kirchlichen Blick“ (Rotraud Ries) in der Konversionsforschung werden die frühneuzeitlichen jüdisch ‐ christlichen Glaubenswechsel in Hamburg vor allem in ihren sozialen Dimensionen betrachtet. In der umfänglichen, die Zeit vom 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts umfassenden Datensammlung über Konvertiten, die im Rahmen des Projektes erstellt wurde, liegt eine auf der Quellenüberlieferung basierende Bestandsaufnahme vor. Sie gibt Antworten auf Fragen zu quantitativen, sozialen und geschlechtsspezifischen Gegebenheiten im historischen Konversionsgeschehen und wirft so ein Licht auf soziale Zustände sowohl der christlichen als auch der jüdischen Gesellschaft in Hamburg. Darüber hinaus erlaubt die Quellenlage in Einzelfällen, individuelle Lebensschicksale von Konvertiten und Konvertitinnen und damit die Spezifika solcher Lebenswege im Grenzbereich zwischen Judentum und Christentum exemplarisch nachzuzeichnen.

Bearbeiterin: Dr. Jutta Braden Gefördert von der Fritz Thyssen ‐ Stiftung  

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