Stolpersteine in Hamburg - biographische Spurensuche

Dr. Beate Meyer

Mehr als 5.000 Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig bisher in Hamburg verlegt. Sie erinnern an Opfer der NS-Herrschaft: Über 90 Prozent tragen die Namen von Juden, andere die von „Euthanasie“-Opfern, politischen Gegnern, Homosexuellen, Bibelforschern oder anderen Verfolgten. Die Stolpersteine ermöglichen dezentrales Gedenken im Alltag, fernab der ritualisierten Gedenktage und zentralen Mahnmale. Eine Initiativgruppe um den Kunstsammler Peter Hess organisiert ehrenamtlich die Verlegungen. Die Patenschaften (und damit die Kosten für die Steine) übernehmen „ganz normale“ Hamburger Bürgerinnen und Bürger. So erinnern die Stolpersteine an vergangenes Unrecht, aber sie spiegeln auch die heutigen Aktivitäten von Einzelpersonen und Gruppen, die sich aus persönlichen, politischen, pädagogischen oder anderen Gründen mit dem Schicksal der Menschen befassen, die Opfer des Unrechtsregimes geworden sind.  

Wenn auch die Stolpersteine die Namen der Ermordeten öffentlich bewahren, so sind doch weitere Informationen über deren Leben, Wirken oder Leiden meist nicht bekannt oder jedenfalls nicht nachlesbar. Nur für das Grindelgebiet liegen (begrenzt) biographische Forschungen vor. Deshalb entstand die Idee, auch die Lebensläufe derjenigen zu recherchieren, für die außerhalb des Grindelgebiets Stolpersteine gesetzt worden sind. Die Landeszentrale für Politische Bildung (LZ) und das IGdJ fragten deshalb im Jahr 2006 hamburgweit bei Einzelforschern, Geschichtswerkstätten und Stadtteilinitiativen nach, ob die Bereitschaft bestehe, solche Recherchen – unter fachkundiger Anleitung – innerhalb der nächsten Jahre durchzuführen. Der Vorschlag stieß auf unerwartet große Resonanz.  

So verständigten sich die LZ, das IGdJ, die Stolperstein-Initiative und die beteiligten Forschenden darauf, dass stadtteilbezogene Publikationen entstehen sollten. Mittlerweile (Stand Winter 2016) haben mehr als 300 Personen an den Veröffentlichungen mitgewirkt, die seitdem amtierenden Hamburger Ersten Bürgermeister haben jeweils ein Vorwort geschrieben. Ulf Bollmann trägt zu allen Publikationen die Biographien ermordeter Homosexueller bei. Die Projektleitung liegt nach wie vor bei Rita Bake/Landeszentrale für Politische Bildung (LZ) und Beate Meyer (IGdJ).

Die LZ druckt und verbreitet die mittlerweile 18 Bücher, darunter zwei Doppelbände, gegen eine Bereitstellungsgebühr von Euro 3, über ihren Infoladen. Die Bände enthalten Stadtpläne, die zeigen, wo die Stolpersteine jeweils verlegt sind. Manche bieten auch einen Rundgang bzw. eine Fahrradrundfahrt an.

Die LZ hat außerdem eine Website eingerichtet www.stolpersteine-hamburg.de, auf der die verlegten Stolpersteine mit den Inschriften und die dazugehörigen Biographien aus den Publikationen (aber auch andere, die nicht zuvor gedruckt wurden) eingesehen werden können. Mittlerweile sind 3.000 Biographien (Stand Witner 2016) entstanden. Dank einer großzügigen Spende der Hermann Reemtsma Stiftung werden sie derzeit ins Englische übersetzt. Einige Biographien sind auch als akustische Stolpertonsteine anzuhören.

Die Liste der bisher erschienen Bände finden Sie unter „Publikationen / Steolpersteine“.

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Beate Meyer  

 

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