Sepulkralkunst als Zeichen kultureller (Selbst)verortung. Der Jüdische Friedhof Königstraße 1611 - 1869

Keren Manor

Das Dissertationsprojekt läuft seit Januar 2013 und wird durch ein 24+12 Monate-Stipendium der Hermann Reemtsma Stiftung unterstützt. Die Eduard Duckesz Stipendiatin Keren Manor wird von Prof. Andreas Gotzmann an der Universität Erfurt betreut.

Sie untersucht die Grabsteinsymbole und damit verbundenen spezifischen regionalen Eigenheiten auf dem Jüdischen Friedhof Altona in der Königstraße. Auf diesem Gelände befinden sich heute die ursprünglich getrennten Friedhöfe der aschkenasischen und der sefardischen Gemeinde. Von den 8.475 Grabsteien sind ca. 7.600 komplett oder in Fragmenten erhalten. Die unterschiedliche Grabsteinkultur der zwischen 1611 und 1869 entstandenen Gräber weist - bei aller Distanz - auch auf die Nähe dieser jüdischen Gemeinden zueinander und zur christlichen Majorität hin. Keren Manor fragt in ihrer Arbeit nach der Selbstverortung der Juden innerhalb ihres kulturellen und gesellschaftlichen christlichen Umfelds im Spiegel der Sepulkralkunst. Anhand der Entwicklung der Symbole vom 17. bis ins 19. Jahrhundert will sie weiter der Frage nachgehen, ob in dieser Zeit ein Wandel im Selbstverständnis der Juden stattgefunden hat und welchen Ausdruck dieser gefunden hat. So zeugt zwar die Darstellung biblischer Szenen, die in Altona ausschließlich auf sefardischen Grabsteinen zu finden sind, vom Bedürfnis der Hinterbliebenen, das jüdische Erbe der Verstorbenen zu betonen. Die vor Generationen ins normative Judentum zurückgekehrten Marranen haben jedoch auch weniger „Berührungsängste“ als Aschkenasen, dieses Erbe mit üppigen Bildern von wahrscheinlich christlichen Steinmetzen nach christlichen Vorlagen illustrieren zu lassen.

Bisher wurden in einer Datenbank die erhaltenen ca. 700 Grabsteine des aschkenasischen und ca. 500 des sefardischen Teils des Friedhofs in der Königstrasse erfasst, die Symbole tragen. Dieses Vorgehen ermöglicht den Vergleich vor allem mit anderen sefardischen zeitgenössischen Friedhöfen, wie etwa dem Friedhof in Glückstadt und denen in Surinam, die auch in der Datenbank aufgenommen wurden. Erste Erkenntnisse, etwa wann bestimmte Symbole besonders häufig vorkamen, konnten bereits gewonnen werden. Die Verschlagwortung der Symbole ermöglicht weitere Vergleiche hinsichtlich regionaler Eigenheiten.

Zurück