Geschichte und Quellen der Jüdischen Gemeinde Hamburg (1933 bis 1938)

Prof. Dr. Ina Lorenz / Prof. Dr. Jörg Berkemann

Das mehrjährige Forschungsprojekt „Die Juden in Hamburg im NS ‐ Staat“ (Teil 1: 1933 bis 1938 und Teil 2: 1939 bis 1943/1945) stellt eine Fortführung der zweibändigen Dokumentation von Ina Lorenz über „Die Juden in Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik“ dar. Reichhaltiges Quellenmaterial aus öffentlichen und privaten Archiven in Deutschland, Israel und den USA sowie zahlreiche jüdische regionale Zeitungen und Zeitschriften und auch Hamburger NS ‐ Presseorgane sind systematisch ausgewertet worden. Ferner wurden private Briefe, persönliche Aufzeichnungen und biographische Nachlässe durchgesehen. Generell finden für die Dokumentation nur authentische zeitgenössische Dokumente, unmittelbar in dem Zeitraum 1933 bis 1945 entstanden, Berücksichtigung. Ein sehr umfangreicher Teil der Akten der Deutsch ‐ Israelitischen Gemeinde Hamburg, ab 1938 des Jüdischen Religionsverbandes e.V. und ab 1942 der Bezirksstelle Nordwestdeutschland der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, hat das „Dritte Reich“ überdauert. Erste Aktenablieferungen gemeindlichen Schriftgutes an das Staatsarchiv Hamburg begannen 1938 und wurden bis zur Jahreswende 1942/43 fortgeführt. Staatliches und behördliches Handeln findet seinen Niederschlag in den Akten der Hamburger Verwaltung insbesondere auch in den Akten des Oberfinanzpräsidenten Hamburg. Das nationalsozialistische Partei ‐ Schriftgut wurde in Hamburg im Mai 1945 gezielt vernichtet, es gibt nurmehr einen NS ‐ Splitterbestand. Das überaus reiche Material wurde in 58 Kapiteln systematisch und chronologisch gegliedert und mit einem breiten wissenschaftlichen Apparat versehen. Im Rahmen einer hamburgischen und norddeutschen Regionalgeschichte der Juden wird in einer ausführlichen Einführung der Versuch unternommen, exemplarisch das Leben in einer bedeutenden jüdischen Großgemeinde im NS ‐ Staat zu analysieren. Auf Lokal ‐  und Regionalebene werden dazu die Handlungsspielräume und ihre zunehmende Einengung einer in den ersten Jahren der NS ‐ Herrschaft gut funktionierenden Gemeindeorganisation untersucht ebenso wie die alle Bereiche erfassende nationalsozialistische Judenverfolgung. Die regionale Fallstudie versucht das spezifische Profil der NS ‐ Judenpolitik in Hamburg gegenüber der jüdischen Minderheit heraus zu arbeiten und insgesamt ein facettenreiches Gesamtbild zu entwickeln.

Bearbeiter: Prof. Dr. Ina Lorenz, Prof. Dr. Jörg Berkemann  

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