Die „sociale Emanzipation“ der Juden. Begegnungen von Juden und Christen im Hamburger Bürgertum (1830-1871)

Inka Le-Huu

In ihrem Dissertationsprojekt, das sie am IGdJ beendete und das von Prof. Dr. Kirsten Heinsohn und Prof. Dr. Barbara Vogel betreut wurde, hat Inka Le-Huu die Teilhabe von Juden am Bürgertum in Hamburg im 19. Jahrhundert untersucht. Dabei überprüfte sie die These von Shulamit Volkov, die konstatierte: „[Juden] wollten nicht nur wie die anderen, sondern auch mit den anderen leben“ und untersuchte, welche Konzepte für mehrreligiöse Gesellschaften entwickelt und diskutiert wurden und wie jüdisch-christliche Begegnungen in der Praxis, beispielsweise im Vereinsleben, gestaltet wurden. Sie richtete ihr Augenmerk vor allem darauf, wie Juden und Christen mit Differenzen umgingen und welche Gemeinsamkeiten sie fanden. Jüdinnen und Juden meldeten sich selbstbewusst mit eigenen Vorschlägen und Ideen zur Gestaltung der bürgerlichen Gemeinschaft zu Wort, und es gelang ihnen, für die Umsetzung ihrer Visionen auf lokaler Ebene in Vereinen sowohl jüdische als auch christliche Mitstreiter zu gewinnen. Allerdings schränkte das Ideal der Homogenität, das bei Juden wie auch bei Christen einen außerordentlich hohen Stellenwert einnahm, die Teilhabe von Juden am Bürgertum ein. Ihre spezifischen Erfahrungen mussten sie als säkulare Bürger in die Aushandlungs- und Um­setzungsprozesse der bürgerlichen Wertegemeinschaft einbringen, als Angehörige ihrer Religionsgruppe war ihnen die Teilhabe nicht möglich. Juden und Christen erschufen sich eine säkulare, der religiösen Sphäre entzogene Öffentlichkeit als Raum für Begegnungen.

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