Jüdische Reform und Architektur

PD Dr. Andreas Brämer / Viola Rautenberg

Im Jahr 2010 werden die progressiven jüdischen Kultusgemeinden in aller Welt den 200. Jahrestag den Jahrestag des 1810 in Seesen eingeweihten „Jacobstempels“ feiern, der ersten eigens errichteten Reformsynagoge. Dieses Datum nehmen die Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa (Technische Universität Braunschweig) und das Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Hamburg) zum Anlass, die von Niedersachsen ausgehenden Anfänge der Reformsynagogen und ihre Verbreitung von Deutschland über die angrenzenden Länder und Amerika zu erforschen. Im beginnenden 19. Jahrhundert war es die Generation Israel Jacobsons (1768-1828), Gründer der jüdischen Freischule und des Tempels in Seesen, die mit einer Reform des Gottesdienstes neue liturgisch-funktionelle Voraussetzungen für den Synagogenbau schuf: Bestimmte architektonische Merkmale machen eine Synagoge zum „Reformtempel“, sie zeugen von den Überzeugungen ihrer Erbauer sowie von den Möglichkeiten, die die christliche Mehrheit zur Darstellung jüdischen Selbstbewusstseins eröffnete. . An verschiedenen Orten in Niedersachsen lassen sich sowohl Wandlungen im religiösen Leben der jüdischen Gemeinden als auch in ihrer sozialen und kulturellen Identität ablesen: Neue Synagogen sprechen hierfür ebenso wie die Reform des jüdischen Schulwesens, wofür neben Seesen auch die Freischulen in Hannover und Wolfenbüttel zu nennen sind. Früh breiteten sich die neuen Ideen in kleineren Orten Niedersachsens aus. Mit einer Rabbinerversammlung 1844 in Braunschweig gingen von hier wichtige Anregungen für die Reform aus, die in Deutschland, Europa und den USA rezipiert wurden. Niedersächsische Synagogen des 19. Jahrhunderts repräsentieren die Entstehung und Entwicklung des Typus der „Reformsynagoge“, deren Geschichte und Gestalt nun auf breiter archivalischer und dokumentarischer Grundlage beschrieben und mit interdisziplinärem Ansatz interpretiert werden soll. Geplant ist eine Publikation und eine (Wander-) Ausstellung.

Bearbeiter: PD Dr. Andreas Brämer, Viola Rautenberg
Gefördert von PRO*Niedersachsen.

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