Edition der Tagebücher von Kurt Rosenberg (1933-1937)

Dr. Beate Meyer / Dr. Björn Siegel

Kurt Rosenberg, geb. 12. März 1900, war ein „schriftlicher Mensch“: Schon als Schüler und Student notierte er Gedanken, Beobachtungen und Erlebnisse in Tagebüchern, füllte mit seiner gestochenen Handschrift Band um Band. Er behielt diese Gewohnheit auch später als Anwalt und Familienvater bei. Eingeklebte Zeitungsartikel, Briefmarken oder anderes belegen und illustrieren das Geschriebene, manchmal fügte er auch Fotos ein, die seine Frau Margarethe (Gretel) aufgenommen hatte. Wir wollen Kurt Rosenbergs Tagebücher von 1933 bis 1937 edieren, denn sie geben einen lebendigen Eindruck davon, wie er, seine Familie, Freunde, Bekannte und Berufskollegen die ersten vier Jahre n ach der nationalsozialistischen Machtergreifung wahrnahmen. Rosenberg sammelte Nachrichten über die Judenverfolgung in anderen Städten und hielt eigene bittere Erfahrungen in Hamburg fest. Er beschrieb seine kleinen und großen Fluchten in die Welt der Kunst, zu den Menschen, die er liebte oder seine Reisen im In- und Ausland. Nicht im Nachhinein, geordnet nach Wichtigem und Unwichtigem, und nicht um den Ausgang der Judenverfolgung wissend, sondern als Be- und Getroffener und Beobachter zugleich präsentiert uns Kurt Rosenberg seine Sicht auf die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen. Vier Jahre trug er sich mit dem Gedanken, aus Deutschland zu emigrieren, zweifelte, wog ab, zögerte und sondierte 1937 in den USA die nicht gerade ermutigenden Berufsaus sichten – aber als er sich entschlossen hatte zu gehen, stellte er das Tagebuchschreiben ein und nahm es Zeit seines Lebens nicht wieder auf. Im September 1938 floh er über die Schweiz. Seine Frau Gretel stieß mit den Töchtern Thekla und Gabriele in Le Havre zu ihm. In den USA bauten sie sich mühsam ein neues Leben auf. Die Arbeit an der Tagebuchedition soll 2012 abgeschlossen sein.

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