Alltag, Haushalt, Religion. Briefe der Hamburger Familie Isler 1828 bis 1888

PD Dr. Kirsten Heinsohn

Im Jahre 2006 erhielt das Institut von Hannah Peters aus Kopenhagen ein umfangreiches Paket: Enthalten waren Transkriptionen von etwa 1.000 Briefen der jüdischen Familien Isler und Magnus aus Hamburg und Braunschweig. Die umfangreiche Korrespondenz der beiden Familien für die Jahre 1828 bis 1888 liegen im Original in den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem. Hannah Peters hatte zwischen 1998 und 2004 dort die Briefe eingesehen und transkribiert – und das Ergebnis dieser mühevollen Arbeit nun auch dem Institut für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt. Warum aber interessierte sich Hannah Peters für diese Familien? Sie wurde 1911 als Tochter des Zeichners Ephraim M. Lilien (1874 ‐ 1925) und seiner Frau Helene Magnus (1880 ‐ 1971) geboren und ist damit zugleich eine Enkelin von Sophie Isler (1840 ‐ 1920) und Otto Magnus (1836 ‐ 1920), die bis zu ihrem Tod in Braunschweig lebten. Sophie wiederum war die Tochter des Hamburger Stadtbibliothekars Meyer Isler (1807 ‐ 1888) und seiner Frau Emma (1816 ‐ 1886). Hannah Peters erforscht also ihre eigene Familiengeschichte. Für die Hamburger Regionalgeschichte sind insbesondere die Briefe der Familie Meyer Isler von Interesse, werden hier doch für sechzig Jahre Beschreibungen des Alltags, der religiösen Praxis, der Haushaltsführung und der vielfältigen verwandtschaftlichen wie freundschaftlichen Verbindungen einer bürgerlichen, jüdischen Familie gegeben. Die ersten Briefe schrieb Meyer Isler als Student an seine Familie, einige Briefe schrieb sich das Ehepaar während Reisen und ein großer Teil von Schriftstücken wurde zwischen Hamburg und Braunschweig ausgetauscht, als die Tochter Sophie dorthin geheiratet hatte. Insbesondere in diesem letztgenannten Bestand stammen die meisten Briefe aus der Feder von Frauen. Sowohl Meyer wie auch Emma Isler haben zudem autobiographische Aufzeichnungen hinterlassen. Die Briefe bilden in mancher Hinsicht eine wichtige Ergänzung für diese Autobiografien, sie ermöglichen vor allem einen Blick auf den Alltag in einer jüdischen, bürgerlichen Hamburger Familie im 19. Jahrhundert.

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