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„Struma: Schiff ohne Anker“

Die Struma war ein Flüchtlingsschiff mit annähernd 800 Jüdinnen und Juden, überwiegend aus der Bukowina und Bessarabien an Bord, das am 12. Dezember 1941 aus Rumänien nach damaligem Palästina aufbrach, um vor der Gefahr der Ermordung zu entkommen. Doch die politischen Einwände Großbritanniens und der Türkei sowie ein defekter Motor hielten das Schiff in Istanbul auf. Den hungernden Passagieren war es für 71 Tage nicht erlaubt das Schiff zu verlassen, während über ihr Schicksal verhandelt wurde. Helfende aus der Jüdischen Gemeinde in Istanbul versuchten, sie mit Wasser und Lebensmitteln zu versorgen. Großbritannien verweigerte den jüdischen Passagieren die Einreise nach Palästina. Keine andere Nation und auch nicht die Türkei hat den Flüchtlingen den Landgang gewähren wollen, obwohl jüdische Hilfsorganisationen angeboten hatten, für Kost und Verpflegung aufzukommen, bis sich ihre Weiterreise organisieren würde.

Als schließlich die Maschine nicht repariert werden konnte, schleppte das türkische Militär das Schiff am Abend des 23. Februar 1942 in neutrales Gewässer ins Schwarze Meer. Dort wurde es wahrscheinlich durch einen Torpedo eines sowjetischen U-Boots versenkt. Alle Flüchtlinge kamen um bis auf einen 19-Jährigen namens David Stoliar, der an ein Wrackteil geklammert überlebte. Er lebte zuletzt in den USA, wo er im Alter von 91 Jahren am 1. Mai 2014 starb.

Seit den Umbrüchen in der arabischen Welt häufen sich Meldungen über gekenterte Schiffe und Boote mit Hunderten von Flüchtlingen. Gegenwärtig befinden sich weltweit so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg und Gewalt wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Gibt es Parallelitäten zwischen den Ereignissen von damals und heute? Warum wurde die Struma trotz des katastrophalen Zustands abgewiesen? Wer waren die Passagiere?

Über diese und andere Fragen spricht die Historikerin und Turkologin Dr. Corry Guttstadt mit der Politikwissenschaftlerin und Historikerin Dr. Susanne Heim und dem Schriftsteller Dogan Akhanli. Die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, die Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V. Arbeitsgemeinschaft Hamburg, die Jüdische Gemeinde Hamburg und das Institut für die Geschichte der deutschen Juden laden dazu herzlich ein.

Grußworte:

Bernhard Effertz
Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Hamburg

Stefan Hensel
Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. Arbeitsgemeinschaft Hamburg

Vorträge:

PD Dr. Susanne Heim
Wissenschaftliche Koordination des Forschungsprojektes Edition Judenverfolgung 

Dogan Akhanli
Schriftsteller

Moderation:

Dr. Corry Guttstad,
Historikerin, Turkologin und freie Autorin

Begleitung

Inge Mandos und Klemens Kaatz begleiten die Veranstaltung mit jiddischen Klängen und Liedern.  

 

Der Eintritt ist frei. 

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