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Vergangene Lehrveranstaltungen

Hauptseminar

PD Dr. Andreas Brämer

Nach dem Holocaust. Jüdisches Leben in Deutschland 1945 bis 2015

Die Nachkriegszeit galt zwar lange als Epilog jüdischen Lebens in Deutschland, inzwischen nimmt aber auch die Historiografie zur Kenntnis, dass nach 1945 ein neues Kapitel der deutsch-jüdischen Geschichte begonnen hat. Über 100.000 Menschen sind inzwischen Mitglieder in den jüdischen Gemeinden der Bundesrepublik. Anknüpfend an diese Beobachtung widmet sich das Hauptseminar dem Zeitraum seit Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart. Chronologische und systematische Annäherungen an das Thema sollen helfen, den Ursachen für die dynamische Entwicklung nachzuspüren. Dabei sollen sowohl ‚äußere‘ (z.B. ‚Wiedergutmachung‘, Antisemitismus) als auch innere Aspekte (etwa Identitätsfragen, Gemeindestrukturen) der deutsch-jüdischen Zeitgeschichte ausführlich zur Sprache kommen.

Literatur:
Michael Brenner (Hrsg.), Geschichte der Juden in Deutschland. Von 1945 bis zur Gegenwart, München 2012; Susanne Schönborn (Hrsg.), Zwischen Erinnerung und Neubeginn. Zur deutsch-jüdischen Geschichte nach 1945, München 2006

Studienleistungen/Prüfungsleistungen:

Regelmäßige und aktive Teilnahme, Mitgestaltung einer Sitzung, Hausarbeit

Übung: Über die Bedeutung der Kategorie „Diaspora“ für die moderne jüdische Geschichte

Prof. Dr. Miriam Rürup

Kommentare/ Inhalte:
Der Begriff Diaspora stammt aus dem jüdisch-religiösen Kontext. Er steht heute aber für weit mehr: er hat bis heute in der jüdischen Geschichte eine religiöse Komponente und erinnert an die "Zerstreuung" der Jüdinnen und Juden aus "Israel". Zugleich wird er heute aber auch als wissenschaftliche Kategorie verwendet, um Migration und Minderheitensituationen auch jenseits des nationalgeschichtlichen Zugangs beschreiben / untersuchen zu könen. Dabei wird meist Bezug auf Gruppen genommen, die infolge unfreiwilliger Migraition an einem neuen Ort eine neue Identität aufbauen, dabei jedoch weiterhin an die Vergangenheit und ihre Herkunft anknüpfen. So lässt sich der Begriff Diaspora auch losgelöst von seiner Vertreibungkonnotation nutzbar machen, und kann als Differenzkategorie genutzt werden, besonders wenn der Blick auf Minderheiten gerichtet wird, die in der sie umgebenenden "Hegemonialgesellschaft" zunächst fremd erscheinen mögen - oder Residuen von Fremdheit selbst aufrechtzuerhalten bestrebt sind.

In der Übung soll sowohl der Begriff Diaspora und seine Anwendung und seine sich wandelnden Bedeutungsgehalte insbesondere im modernen jüdischen und zionistischen Diskurs im 20. Jahrhundert betrachtet werden. Es geht sowohl um die Entstehung einer deutsch-jüdischen Diaspora außerhalb Israels infolge der nationalsozialistischen Vertreibung als auch um die Frage, wie über "Diaspora" im Jahrzehnt der Staatsgründung Israels diskutiert wurde und wird.

Literatur:
Ruth Mayer, Diaspora: Eine kritische Begriffsbestimmung, Bielefeld 2005 und Kirsten Heinsohn/Susanne Lachenicht, Diaspora Identities. Exile, Nationalism and Cosmopolitanism in Past and Present, Frankfurt am Main 2009

 

 

Übung: Von der Wissenschaft des Judentums zur Judaistik. Juden, andere Deutsche und die Erforschung der jüdischen Geschichte, Religion und Kultur (19./20. Jh.)

PD Dr. Andreas Brämer

Kommentare/ Inhalte:
Die Wissenschaft des Judentums brachte sich seit den 1820er Jahren in Stellung, indem sie mit autoritativem Anspruch als neues Deutungsmodell jüdischer Religion, Geschichte und Kultur auftrat, die sie mit dem methodischen Rüstzeug der Philologie, Historiographie und Philosophie zu erschließen suchte. Die neue Disziplin präsentierte sich als Gegenmodell zu den Auslegungstraditionen der Vormoderne, in denen sich das Judentum als sinnvermittelndes Handlungssystem präsentiert hatte, das zwar in Details situative Modifikationen zuließ, im Grunde aber Veränderungen vermied, weil es auf der Grundlage einer ewig gültigen göttlichen Selbstmitteilung fußte. Die Übung befasst sich mit der Genese und Entwicklung einer, an akademischen Standards ausgerichteten jüdischen Forschung im 19. und 20. Jahrhundert. Im Verlaufe des Semesters widmen sich die Sitzungen zentralen Ereignissen, Personen und Institutionen dieser deutsch-jüdischen Wissenschaftsgeschichte.

Literatur:
Thomas Meyer, Andreas Kilcher (Hrsg.), Die »Wissenschaft des Judentums«. Eine Bestandsaufnahme, Paderborn 2015; Michael Brenner, Propheten des Vergangenen. Jüdische Geschichtsschreibung im 19. und 20. Jahrhundert, München 2006

Zusätzliche Hinweise zu Prüfungen:
(Mit)Gestaltung einer Sitzung und Hausarbeit

 

Sommersemester 2015

Übung

Dr. Miriam Rürup
Jüdische Kultur in Deutschland im 20. Jahrhundert

Lehrveranstaltungs-Nr. 54–234 ÜB
Zeit: Do 14 - 16 Uhr
Ort: IGdJ 2/023
Beginn: 02.04.15

In kaum einer Epoche der deutschen Geschichte war das jüdische Leben so vielseitig und lebendig wie in der Weimarer Republik. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden etliche neue Vereine, Zeitschriften wurden gegründet, jüdisches Kino und Theater florierten. Es gab jüdische subkulturelle Zirkel neben bürgerlicher Hochkultur, verschiedene Formen jüdischer Religiosität wie auch dezidiert säkularer, wenn nicht gar antireligiöser Vereinigungen. Zugleich befand sich die jüdische Minderheit in den Jahren zwischen Erstem Weltkrieg und Aufstieg des Nationalsozialismus aber nicht nur in einer Zeit des Aufschwungs sondern ebenso in einer beständigen Situation der Abgrenzung gegen antisemitische Grundhaltungen und in zunehmendem Maße auch Übergriffen. Dieser zwiespältigen, vor allem aber optimistischen jüdischen Epoche der deutschen Geschichte soll sich das Seminar widmen.
Einzelne Organisationen, Strömungen, Debatten usw. werden dabei aus innerjüdischer Sicht untersucht.
Es soll in dem Seminar jedoch auch darum gehen, wie diese vielfältige jüdische Kultur im Nationalsozialismus
zerstört wurde und dabei doch um ihren Fortbestand rang und wie sich in der Bundesrepublik jüdische Kultur nach der Katastrophe neu entfaltete.

Literatur: Michael Brenner, Jüdische Kultur in der Weimarer Republik, München 2000.

Sommersemester 2014

Übung

Svenja Bethke, M.A.
Alltag im Holocaust. Besatzung, Zwang und Überleben im Nationalsozialismus
Lehrveranstaltungs-Nr. 54-201
Zeit: Mo 16 - 18 Uhr
Ort: IGdJ 2/023
Beginn: 13.10.14

Übung

Dr. Miriam Rürup
Jüdische Jugend in Deutschland im 19./20. Jahrhundert
Lehrveranstaltungs-Nr. 54-238


In dem Seminar ging es um die vielfältigen Aspekte, in denen sich eine jüdische Jugend von einer nichtjüdischen Jugend unterschied. Dies war unter anderem durch sich verändernde Rahmenbedingungen bestimmt, wie beispielsweise die rechtliche Gleichstellung der Juden; gleichermaßen aber auch die innerjüdische Aufklärungs-Bewegung (Haskala).

Damit fächerte sich auch das jüdische Selbstverständnis auf, etwa bezüglich der religiösen Erziehung der Kinder. So wurden noch Anfang des 19. Jahrhunderts viele jüdische Schulen neu gegründet; die Zahl ging aber im Laufe des Jahrhunderts wieder zurück, da die Eltern zunehmend ihre Kinder auf nichtjüdische Schulen schickten. In der Übung wurden neben der Thematik der jüdischen Erziehung auch Fragen behandelt, die sich mit Alltag, Lebenswelt und Körperlichkeit jüdischer Jugendlicher befassen.

Es ging so auch um die Herausbildung des "zionistischen Menschen", um die vielfältigen Diskussionen um die Veränderung beruflicher Profile, um die Organisierung von Jugendlichen in Vereinen usw. Der zeitliche Bogen reichte dabei bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und zum Beispiel auch die Situation in den DP-Lagern mit einem Ausblick auf den neuen israelischen Staatsbürger nach 1948.

Projekt und Seminar

Dr. Stephanie Kowitz-Harms und Dr. Anna Lena Menny
Jüdische Geschichte in Hamburger - Konzepte zur digitalen Vermittlung
Lehrveranstaltung 54-526

Wintersemester 2013/2014

Hauptseminar

PD Dr. Andreas Brämer und Dr. Stephanie Kowitz-Harms
Juden im Hamburger Raum ca. 1600 bis 2000
Lehrveranstaltungs-Nr. 54-321

Dieses Hauptseminar befasst sich mit der Situation der Juden in Hamburg seit den Anfängen um 1600 bis zur Gegenwart. Thematisiert wird der Beginn der jüdischen Zuwanderung nach Hamburg und Altona, die Phasen der rechtlichen Gleichstellung und gesellschaftlichen Integration, die Jahre der Ausgrenzung und Verfolgung sowie der Neubeginn nach 1945. Es soll darum gehen, das Verhältnis von Juden und Christen in der Hansestadt in historischer Perspektive zu betrachten, ohne die spezifische innere Vefasstheit der im Hamburger Raum beheimateten jüdischen Gemeinde(n) aus dem Blick zu verlieren.
Geplant sind neben regulären Sitzungen auch Kurzexkursionen zu Stätten jüdischen Lebens in Hamburg (z.B. Grindelviertel, jüdischer Friedhof Altona, Synagoge Hohe Weide) sowie eventuell Besuche im Staatsarchiv und im hamburgmuseum.

Literatur:
Arno Herzig, (Hg.), Die Juden in Hamburg 1590 bis 1990, Hamburg 1991; Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Hg.), Das Jüdische Hamburg. Ein historisches Nachschlagewerk, Göttingen 2006; Ursula Wamser, Wilfried Weinke (Hg.), Eine verschwundene Welt. Jüdisches Leben am Grindel, Springe 2006

Übung

Dr. Beate Meyer
Stolpersteine im Grindelviertel
Lehrveranstaltungs-Nr. 54-233 in Kooperation mit Public History

Mehr als 4.400 Stolpersteine sind mittlerweile in Hamburgs Gehwege eingelassen worden. Sie halten die Erinnerung an die Opfer der NS-Herrschaft wach. In der Regel sind der Name, der Geburtsjahrgang, das Deportationsziel und das Todesjahr eingraviert. Doch welche Verfolgungsschicksale
verbergen sich hinter diesen kargen Daten? Die zweisemestrige Veranstaltung besteht aus einer Übung und einem Projektkurs. Nach einer Einführung in das Projekt Stolpersteine werden auf der Grundlage einschlägiger Forschungsliteratur die NS-Judenverfolgung/Deportationsgeschichte
referiert und diskutiert. Im stark anwendungsorientierten Projektteil erforschen und schreiben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend eigenständig Biographien mit dem Ziel, diese zu veröffentlichen. Dabei lernen sie die Arbeit in Archiven kennen, recherchieren in Nachschlagewerken und korrespondieren evtl. mit Angehörigen der Ermordeten.

Vorgehen:
Eingeladene Gäste stellen das Projekt Stolpersteine vor; Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer stellen Forschungsergebnisse vor; gemeinsamer Besuch des Staatsarchivs; Einzel- oder Gruppenarbeit an den Biographien.

Literatur:
Beate Meyer (Hg.): Die Verfolgung und Ermordung der Hamburger Juden 1933-1945. Geschichte, Zeugnis, Erinnerung, Hamburg 2007.

Sommersemester 2013

Übung und Projekt

Dr. Beate Meyer und Dr. Thorsten Logge
Stolpersteine im Grindelviertel - vom Namen zur Biographie
Lehrveranstaltung 54-524P

Um die vorletzte Jahrhundertwende entwickelte sich das Grindelviertel zum Hauptwohngebiet der Hamburger Juden. Bis heute lassen sich in den Straßen und auf den Plätzen rund um den Campus verschieden Spuren finden, die auf die reiche und vielfältige jüdische Geschichte verweisen. Das Seminar widmet sich den groben Entwicklungslinien und zentralen Themen der jüdischen Lokalgeschichte, der Schwerpunkt liegt auf dem 19. und 20. Jahrhundert. Zugleich werden Konzepte digitaler Geschichtsvermittlung vorgestellt und kritisch diskutiert.

Im Projektteil sollen die Studierenden selbstständig ein digitales Angebot zur Vermittlung der jüdischen Lokalgeschichte im Grindelviertel entwickeln. Ziel ist es, einen digitale Audioguide zu erstellen, der historische Materialien und Hintergrundinformationen zu verschiedenen Orten zusammenstellt. Einführungen in Projektmanagement oder Öffentlichkeitsarbeit ergänzen die Projektarbeit.

Kooperationspartner: Galerie Morgenland/ Geschichtswerkstatt Eimsbüttel